Vor- und Nachteile von Fallpauschalen

Die Spitalfinanzierung über Fallpauschalen ist umstritten. Medizinisch tätige Personen, Gesundheitspolitiker, Ökonomen und weitere Experten debattieren seit Jahren über die Vorteile und die Gefahr von Fehlentwicklungen zum Nachteil der Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. Häufig aufgeführte Vor- und Nachteile sind:

Mögliche Vorteile:

  • Fehlanreize im System werden beseitigt, zum Beispiel dass Patienten länger im Spital bleiben, als nötig.
  • Die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung in den Spitälern wird erhöht: Es wird effizienter gearbeitet und mögliche Überkapazitäten werden abgebaut.
  • Die Transparenz unter den Spitälern steigt. Dadurch wird eine bessere Vergleichbarkeit der Spitäler hinsichtlich Leistung und Qualität möglich.
  • Die Spezialisierung der einzelnen Spitäler auf bestimmte Fachgebiete wird zunehmen, was zu mehr Qualität und Effizienz führen wird.
  • Effizientere Abläufe in den Spitälern werden im stationären Bereich kostendämpfend wirken.

Fallpauschalen werden zu mehr Wettbewerb unter den Spitälern führen.

Mögliche Nachteile:

  • Der wettbewerbliche Zwang zu effizienteren Abläufen kann dazu führen, dass Ärzte und Pflegekräfte weniger Zeit haben, auf Patienten und ihre Bedürfnisse einzugehen.
  • Patienten können zu einem Zeitpunkt entlassen werden, zu dem sie noch nicht wieder gesund sind, Schmerzen haben oder ihre Selbstständigkeit nicht wieder voll erlangt haben.
  • Die Spitalfinanzierung über Fallpauschalen kann über ihre konkrete Umsetzung als Kostensenkungsprogramm „missbraucht“ werden.
  • Patienten müssen öfters selbst in die Tasche greifen, wenn es um Implantate geht: Es könnten nur noch günstige (= einfachere, ältere) Modelle von Implantaten von der Krankenkasse vergütet werden. Patienten, die aufgrund ihrer Diagnose andere, teurere Produkte benötigen, müssten den entsprechenden Aufpreis selbst bezahlen.
  • Eine ungenügende Berücksichtigung der Investitionen in der Höhe der Fallpauschalen kann zu einem Investitionsstau in den Spitälern und damit zu veralteten Anlagen führen.
  • Eine stark verzögerte oder sogar fehlende Finanzierung von Innovationen – aus Spargründen – wird den Zugang der Patientinnen und Patienten zu neuen Medizintechnik-Produkten und –Verfahren erschweren und die Innovationstätigkeit der Branche bremsen. Mehr dazu im Positionspapier Innovationsfinanzierung des FASMED.
  • Aus finanziellen Gründen kann ein längerer Spitalaufenthalt in mehrere kurze aufgeteilt werden.
  • Der erhoffte Spareffekt der Fallpauschalen könnte wegen sogenannter Mengenausweitung verpuffen. Das heisst, ein Spital führt mehr Behandlungen auf niedrigerem Qualitätsniveau durch, um mehr Erträge zu generieren.
  • Spitäler nehmen nur noch Patienten auf, die „rentieren“. Das heisst solche, deren Behandlung routiniert und ökonomisch durchgeführt werden kann. Patienten die aufwändige, teure oder risikoreiche Behandlungen benötigen, würden von Spital zu Spital weitergereicht, was bei Notfällen lebensbedrohlich sein könnte.

Der Patient soll weiterhin im Mittelpunkt stehen!

Auch mit der schweizweit flächendeckenden Einführung von Fallpauschalen dürfen reine Kostenüberlegungen bei Behandlungsentscheidungen nicht wichtiger werden als der Patientennutzen.

Fallpauschalen müssen so angelegt sein, dass der Patientennutzen nicht kurzfristigen, trügerischen Sparzielen zum Opfer fällt. Für viele chronisch Kranke gibt es keine kostengünstigere Behandlung als ein Implantat, das die Leistungsfähigkeit vollständig und dauerhaft wieder herstellt.

 
TYPO3 Agentur